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Grußwort Frühjahr 2022

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Kürzlich las ich in unserer MainPost einen höchst interessanten Artikel über die knapp 100jährige Allgemeinärztin Anneliese Helmer aus Kempten. Die äußert fragile und lebensfrohe Dame hat mit 99 Jahren noch einmal zehn Fahrstunden genommen, um ihre jahrzehntelange Fahrpraxis aufzufrischen und sich ein leuchtend blaues, flottes Elektromobil zugelegt, mit dem sie - auf 45 km/h limitiert - in und um Kempten ihre Runden dreht.

Sie werde „gemäßigt fahren, denn umeinander rasen werd ich nimmer“, erklärte sie dem verdutzten Reporter ihre wohl eher ungewöhnliche Altersaktion. Frau Dr. Helmer ist aber nicht nur wegen ihres unbändigen Lebenswillens und frohen Naturells weit über Kemptens Grenzen hinaus bekannt, sondern auch als vielgelesene Autorin des Erfahrungsberichtes : „Erlebnisse einer Medizinstudentin im Zweiten Weltkrieg“.

 Frau Dr. Helmer wurde bereits nach 5 Semestern Medizinstudium zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront abkommandiert, sie erlebte den zerstörerischen Luftangriff auf Swinemünde mit, konnte rechtzeitig vor den heranrückenden Sowjettruppen nach Dänemark fliehen und geriet dann in englische Gefangenschaft. Nach dem Krieg konnte sie ihr Studium beenden.

Und, während ich versonnen über die spärlichen und zugleich beklemmenden Kriegserzählungen meines Schwiegervaters Oscar nachdachte, der als junger Stabsarzt aus der Rhön in Stalingrad eingesetzt war, ereilte uns alle die Nachricht vom Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich schreibe diese Zeilen Ende Februar - wenn Sie mein Grußwort und das Mitteilungsblatt in gedruckter Form in Händen halten, werden vier Wochen vergangen sein.

Vier bange Wochen und natürlich kann keiner jetzt schon erahnen,welche weitere Eskalationsstufe dieser Krieg bis dahin erreicht haben wird.

Kanzler Scholz spricht zu Recht von einer Zeitenwende!

Ein historischer Umschwung ungeahnten Ausmaßes, der uns auch als Ärzte fordern wird: Ärzte, die in Kriegs- und Krisengebieten Hilfe leisten, Ärzte, die hunderttausende Flüchtlinge psychologisch betreuen und medizinisch versorgen und Ärzte, die mit ihrem ethischen Wertekompass eine Kraftquelle für die verunsicherten Menschen in unserem Lande sind.

Dass diese Kraftquelle auch nach vielen Lebensjahren und schrecklichen Erfahrungen nie ganz versiegt, im Gegenteil, dass sie durch das Leben, seine Wendungen und seine Schicksale immer wieder neu gespeist werden kann, hat mir der Zeitungsbericht über unsere 100jährige Kollegin Dr. Helmer aus dem Allgäu gezeigt!

Vielleicht interessiert Sie, liebe Leserinnen und Leser in diesem Zusammenhang auch folgende Mitteilung: Im Kreisverband Würzburg gibt es 82 Ärztinnen, die 80 Jahre und älter sind und drei von ihnen haben ein ähnliches gesegnetes Alter wie besagte Kemptener Kollegin erreicht und als Medizinstudentinnen den Krieg erlebt.

In ihnen wird nun, in diesen unruhigen und stürmischen Krisenzeiten, manch bittere Erinnerung wach werden, so wie in uns die Sorge vor weiteren kriegerischen Konflikten wächst. Erich Kästner, einer meiner Lieblingsautoren, merkte einmal an: „Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie!“

Ich wünsche Ihnen und uns allen von Herzen friedvolle Ostertage!

Ihr

Christian Potrawa

Einige Links:

www.aerzte-ohne-grenzen.de

www.IPPNW.de

www.german-doctors.de