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Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

 

„Wir Menschen sind wie ein Heuschreckenschwarm über die Erde hergefallen“, ich las diesen knappen und eindringlichen Satz und war ein wenig verstört. Freilich ist zurzeit jeden Tag der Klimawandel ein Thema, der nicht nur die Zeitungen sondern auch die Mitmenschen bewegt. Sicherlich auch, weil die Veränderungen spürbar und erlebbar sind.

An Mahnungen und Prophetien hat es nicht gefehlt. 1972 erschien der Bericht des Club of Rome mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“,  in dem die Ausbeutung von Rohstoffen und die Zerstörung von Lebensraum dargestellt wurde. Mittlerweile wurden davon 30 Millionen  Exemplare verkauft.
Drei Jahre später erschien das Buch „Ein Planet wird geplündert“ von Herbert Gruhl. Und 2006 wurde das Buch „Eine unbequeme Wahrheit, die drohende Klimakatastrophe“ vom späteren Friedensnobelpreisträger Al Gore veröffentlicht.
Was ist seither bei diesem Wissen passiert, in diesen fast 50 Jahren? „Nicht viel“, lässt sich resümieren. Ein amerikanischer Präsident leugnet grundsätzlich alles, ein Herr Bolsonaro aus Brasilien lässt in großem Stile die letzten Urwälder dieser Welt roden. Wir in Deutschland erreichen unsere selbst gesteckten Klimaziele nicht und verschieben alles um zehn oder 20 Jahre. Inzwischen gehen unsere Kinder auf die Straße, weil sie unter den gegebenen Bedingungen keine gesicherte Zukunft mehr sehen. Die Politiker hoffen derweilen auf ein Wunder, welches die Untätigkeit der letzten Jahrzehnte ungeschehen machen sollte.
Aber was könnte in diesem unsicheren Zeitalter die Rolle, die Aufgabe und die Verpflichtung der Ärzteschaft sein? Wo könnten wir uns in die Diskussion einbringen?
Eine Gesellschaft lebt unter anderem davon, dass ihre Mitglieder sich je nach Profession und Durchblick in den Meinungsaustausch einbringen und damit versuchen, eine sinnvolle Richtung in die weitere Entwicklung aufzuzeigen. Uns Ärzten ist dies in Stammbuch geschrieben. Wenn wir die Menschen als Freund und Helfer auf ihrem Weg begleiten, sind wir täglich gefordert, vor Risiken zu warnen, Positives zu verstärken und negative Elemente darzustellen.
Kurzum, wir betreiben immer Prävention.
Und wir werden mit diesem Aspekt unserer Tätigkeit in Zukunft noch viel zu tun haben: wenn ein Bad in der Ostsee bei Abwehrschwäche in der Kindheit oder im Alter zu einer tödlichen Gefahr durch eine Vibrionen-Infektion werden kann, wenn exotische Mücken bislang bei uns unbekannte Erkrankungen einschleppen, wenn sich die Temperaturen in den Innenstädten in den nächsten Jahren um möglicherweise bis zu 5° erhöhen könnten, dann ist das eine Bedrohung und Gefahr für die Menschen und Patienten, die auf unseren Rat hören.
Wir werden mit all unserer Kraft und unserem Wissen Fehlentwicklungen aufzeigen und den einzelnen beraten müssen. Wir werden, so paradox das klingen mag, unsere Patienten beraten müssen, wie sie mit den Auswirkungen dieser Umwelt zurechtkommen können und Hinweise geben, was konkret, aus unserer Sicht, getan werden muss.
Meine Meinung ist, dass wir den Präventionsgedanken für eine dezidierte Erkrankung auf eine andere Ebene heben müssen. Der Gedanke: was können unsere Patienten unter den derzeit sich stark verändernden Umweltbedingungen für sich präventiv tun, um gesund durch ihr Leben zu kommen.
Das wird, so fürchte ich, eine schwere Aufgabe werden. Aber sie wird sich lohnen. Lassen Sie uns alle mit unserem Wissen, unserer Erfahrung und unserer Menschlichkeit Impulsgeber sein, um unsere Patienten mit Rat und Tat zu unterstützen. Helfen wir ihnen,  ihren Weg unter den sich verändernden Bedingungen gehen zu können und vielleicht insgesamt einen drohenden Kollaps unseres Planeten zu verhindern. Jeder ist gefragt!

Ich wünsche Ihnen nach dem guten Sommer einen goldenen Herbst, mit viel Kraft, Freude und Ausdauer für die noch vor uns stehenden Aufgaben.    

 

Ihr Christian Potrawa